Deutsch als Fremdsprache
Mehr dazu in:
Marlene Kuppelwieser / Hans Pfeiffer:
Deutsch rundum - Kleine Landeskunde der deutschsprachigen Länder und Gebiete
Kapitel 7 (Kleine Kust- und Literaturgeschichte)
Thamus-Verlag
Die Kunst- und Kulturgeschichte der deutschsprachigen Länder seit dem späten 19. Jahrhundert ist geprägt von raschem gesellschaftlichem Wandel, politischen Umbrüchen und tiefen ästhetischen Experimenten. In der Gründerzeit spiegelten Architektur und bildende Kunst wirtschaftlichen Aufschwung, Nationalstaatsbildung und Repräsentationsbedürfnisse wider. Historistische Stilrichtungen griffen Formen vergangener Epochen auf und verbanden sie mit moderner Technik. In Wien entstand mit der Ringstraßenepoche ein besonders prägnantes Beispiel dieser Entwicklung.
Um 1900 setzte mit dem Fin de siècle eine Phase kultureller Selbstbefragung ein. Künstler und Intellektuelle reagierten auf Industrialisierung, soziale Spannungen und politische Unsicherheit mit neuen Ausdrucksformen. Der Jugendstil brach mit historistischen Vorbildern und setzte auf dekorative Linien, Naturmotive und eine enge Verbindung von Kunst und Leben. In Wien entwickelte sich mit der Secession eine der einflussreichsten Bewegungen dieser Zeit.
In Literatur und bildender Kunst dominierten zunächst Symbolismus und Expressionismus. Subjektive Wahrnehmung, existenzielle Angst, Großstadterfahrung und Kriegserfahrung prägten Werke von Autoren wie Rilke, Trakl oder Heym sowie Künstlergruppen wie „Die Brücke“ und „Der Blaue Reiter“. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte mit der Neuen Sachlichkeit eine nüchternere, gesellschaftskritische Haltung ein, die sich bewusst vom Pathos des Expressionismus abgrenzte.
Die nationalsozialistische Diktatur zerstörte die kulturelle Vielfalt. Zahlreiche Künstler gingen ins Exil, andere wurden verfolgt oder zum Schweigen gebracht. Nach 1945 entstanden neue literarische Strömungen: Trümmerliteratur, engagierte Literatur und später subjektive und experimentelle Formen. In der DDR entwickelte sich eine weitgehend staatlich gelenkte Literaturszene, die zwischen Aufbauwillen, Anpassung und vorsichtiger Kritik schwankte, in den achtziger Jahren gewann die Untergrundliteratur zunehmend an Bedeutung.
Auch in Österreich und der Schweiz prägten eigenständige literarische Stimmen die Nachkriegszeit und Gegenwart. Autoren wie Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Max Frisch oder Friedrich Dürrenmatt setzten sich kritisch mit Geschichte, Identität und gesellschaftlichen Normen auseinander. In der Gegenwartsliteratur stehen Themen wie Migration, Erinnerung, Globalisierung und individuelle Lebensentwürfe im Zentrum.
Die Musikgeschichte des deutschsprachigen Raums reicht von barocken Meistern wie Bach und Händel über die Wiener Klassik und Romantik bis zur musikalischen Moderne. Komponisten wie Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Mahler und Schönberg prägten die europäische Musik nachhaltig und wirken bis in die Gegenwart fort.
Impressum Letzte Änderung: Mo., 26. Jan. 2026